KPMG: Sicherheit in der Tankschifffahrt durch Personalmangel strukturell unter Druck
KPMG führt die sinkende Sicherheit in der Tank- und Chemieschifffahrt auf unerfahrene Schiffsführer, Sprachbarrieren und zu wenige Gefahrgutbeauftragte zurück.

Die Sicherheit in der Tank- und Chemieschifffahrt steht strukturell unter Druck, und die Ursache liegt auf dem Arbeitsmarkt. Das ist das Ergebnis eines KPMG-Berichts im Auftrag des niederländischen Ministeriums für Infrastruktur und Wasserwirtschaft vom Dezember 2025. Zu oft steht ein unerfahrener Schiffsführer am Ruder, während die Decksbesatzung die Arbeitssprache nicht ausreichend beherrscht. Die Forschenden warnen vor Nachlässigkeiten, die unter normalen Umständen nicht vorkämen.
- KPMG nennt drei Hauptursachen: zu wenig erfahrene Schiffsführer, Sprachbarrieren mit ausländischen Besatzungen und einen akuten Mangel an Gefahrgutbeauftragten.
- Lehrgänge für Gefahrgutbeauftragte werden mangels Interesse regelmäßig abgesagt; die Erfolgsquote liegt bei 40 bis 45 Prozent. Manche Berater betreuen Dutzende Unternehmen gleichzeitig.
- Deutsch ist die Arbeitssprache in der Chemieschifffahrt und wird oft nicht ausreichend beherrscht. Das führt beim Be- und Entladen zu Missverständnissen.
- KPMG empfiehlt, Simulatorstunden offiziell auf das Schiffsführerzeugnis anzurechnen.
- Die Branche sieht teilautonome und ferngesteuerte Schifffahrt als wichtigste Mittel gegen den Personaldruck, wartet aber auf klare Gesetze.
Schuttevaer steht hinter einer Paywall, daher geben wir den Artikel hier nicht wieder. Die folgende Zusammenfassung orientiert sich an der Berichterstattung; der Link zum Original steht oben und unten auf dieser Seite.
Drei Hauptursachen für Tankschiffsicherheit und maritimes Crew-Management
Für die Studie sprach KPMG mit Binnenschifffahrtsunternehmen, Chemiefirmen, Gefahrgutbeauftragten, der niederländischen Aufsicht ILT und Branchenverbänden. Das Ergebnis ist eindeutig: Unternehmen müssen Personal einsetzen, das mit den ADN-Regeln oder dem spezifischen Fahrverhalten des Schiffes nicht ausreichend vertraut ist. Dadurch steigen Beinaheunfälle und Kollisionen.
Nachlässigkeiten, die unter normalen Umständen nicht vorkämen.
Der Engpass bei Gefahrgutbeauftragten im Vessel Safety Management
Der Mangel an Gefahrgutbeauftragten ist besonders beunruhigend, weil damit der Mechanismus wegfällt, der andere Probleme auffängt. Lehrgänge werden mangels Teilnehmenden abgesagt und die Erfolgsquote bleibt bei 40 bis 45 Prozent. Bestehende Berater betreuen deshalb manchmal Dutzende Unternehmen gleichzeitig. Inspektionen an Bord entfallen und Hinweise auf unsichere Situationen werden übersehen.
Sprachbarrieren im Crew-Management von Tankschiffen
Auch an Deck steigt das Risiko. Besatzungsmitglieder von außerhalb der EU beherrschen Deutsch, die Arbeitssprache der Chemieschifffahrt, oft nicht ausreichend. Weil viele nur die Mindestanforderungen des ADN erfüllen, entstehen beim Be- und Entladen Missverständnisse. Unternehmen dürfen den verpflichtenden ADN-Unterricht selbst gestalten, wodurch die Qualität stark schwankt. Bei hoher Arbeitsbelastung werden administrative Kontrollen ausgelassen und persönliche Schutzausrüstung nicht immer korrekt verwendet.
Was Ermüdung für die Sicherheit von Tankschiffen bedeutet
Ein Beispiel ist der von KPMG beschriebene misstrauische Schiffsführer. Während des Be- und Entladens sollte er schlafen, doch viele bleiben wach, weil sie den Fähigkeiten ihrer Besatzung nicht vertrauen. Sprachbarrieren und Zweifel am Verständnis der Abläufe führen dazu, dass Schiffsführer übermüdet in die Reise starten.
Ein weiterer Vorfall zeigt, dass dieses Misstrauen nicht unbegründet ist. Ein Schiff bekam Schlagseite und drohte zu kentern; unter Stress reichten die Englischkenntnisse der philippinischen Besatzung nicht aus, um die Notfallanweisungen zu verstehen. Die Kommunikation brach zusammen und das Schiff musste gestoppt werden. Arbeitgeber können zudem die Echtheit ausländischer ADN- und Schifferzeugnisse kaum prüfen. Die Branche fordert daher eine zentrale Datenbank gegen Zertifikatsbetrug.
KPMG-Empfehlungen für maritime Crew-Ausbildung
KPMG empfiehlt, den Zustrom von Besatzungen und Gefahrgutbeauftragten zu erhöhen und den Zugang für Deckspersonal von außerhalb der EU möglicherweise zu erweitern. Die Ausbildung soll moderner werden: Simulatorstunden sollten offiziell für das Schiffsführerzeugnis zählen. Der Simulator gilt als einziger Ort, an dem Notfälle sicher und wirksam trainiert werden können. KPMG fordert außerdem eine intelligentere Aufsicht und ein System, um aus Beinaheunfällen zu lernen.
Ferngesteuerte Schifffahrt und Betrieb mit reduzierter Besatzung
Die Branche sieht teilautonome Schifffahrt und Fernbetrieb als wichtigste Mittel, um den Personaldruck zu lindern. Unternehmen investieren jedoch nicht vollständig, solange klare Gesetze und Vorschriften fehlen. KPMG rät dem Ministerium deshalb, bei diesen Rahmenbedingungen Tempo zu machen.

Fernbetrieb löst weder Sprachbarrieren an Deck noch ersetzt er Gefahrgutbeauftragte. Er verändert jedoch, wo qualifizierte nautische Kapazität physisch anwesend sein muss. Verfügbare Schiffsführer können dort eingesetzt werden, wo ihre Erfahrung am meisten zählt. Auch die Anrechnung von Simulatorstunden weist in dieselbe Richtung: zertifizierte, strukturierte und wiederholbare Ausbildung qualifiziert Remote Operators.
Der Personalmangel in der Binnenschifffahrt ist strukturell, nicht zyklisch
Warum der Mangel an qualifizierten Schiffsführern dauerhaft ist und was er für professionelle Flotten bedeutet.
Analyse lesenQuellen
- Rene Quist, 'KPMG: veiligheid tankvaart structureel onder druk door personeelsgebrek', Schuttevaer, 17. Dezember 2025.
- KPMG-Bericht zur Sicherheit in der Tank- und Chemieschifffahrt im Auftrag des niederländischen Ministeriums für Infrastruktur und Wasserwirtschaft (IenW), Dezember 2025.
Originalartikel
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Was hat KPMG untersucht?
Die Sicherheit in der Tank- und Chemieschifffahrt im Auftrag des niederländischen Ministeriums für Infrastruktur und Wasserwirtschaft. Befragt wurden Unternehmen, Chemiefirmen, Gefahrgutbeauftragte, die ILT und Verbände.
Welche drei Hauptursachen nennt KPMG?
Zu wenig erfahrene Schiffsführer, Sprachbarrieren mit ausländischen Besatzungen und einen akuten Mangel an Gefahrgutbeauftragten.
Warum ist der Mangel an Gefahrgutbeauftragten problematisch?
Weil damit das Sicherheitsnetz für andere Probleme schwächer wird. Lehrgänge fallen aus, nur 40 bis 45 Prozent bestehen und manche Berater betreuen Dutzende Unternehmen, sodass Inspektionen und Warnsignale entfallen.
Was sagt der Bericht über ferngesteuerte Schifffahrt?
Die Branche sieht sie als wichtiges Mittel gegen den Personaldruck, wartet aber auf klare Gesetze. KPMG empfiehlt, die entsprechenden Rahmenbedingungen schnell zu schaffen.
Was empfiehlt KPMG zu Simulatoren?
Simulatorstunden sollen offiziell für das Schiffsführerzeugnis zählen, weil Notfälle dort sicher, wiederholt und mit direktem Feedback trainiert werden können.